Zum Waltenberger Haus, mit Aufstieg von Einödsbach

Das Waltenberger Haus ist Ausgangspunkt für einige der höchsten Gipfel der Allgäuer Alpen. Sowohl Mädelegabel und Bockkarkopf, als auch Trettachspitze und Hohes Licht sind von hier aus in wenigen Stunden zu erreichen.

Waltenberger Haus Aufstieg

Von Einödsbach beginnt der Aufstieg zum Waltenberger Haus

Eckdaten zur Tour auf das Waltenberger Haus

2
Schwierigkeit
4 Std.
Gehzeit
↑ 1180 Hm
Höhendifferenz

Die urige Hütte über dem Bacher Loch

Diese urgemütliche Bergsteigerunterkunft in bester Aussichtslage hoch über dem Bacherloch ist die einzige Allgäuer Alpenvereinshütte, die vor Saisonbeginn komplett per Hubschrauber versorgt wird, da es weder eine Materialseilbahn noch eine Zufahrt gibt. Alles, was sonst benötigt wird, muss von Einödsbach heraufgebuckelt werden. Auch das Brennholz. Markus Karlinger heißt seit 2011 der sehr beliebte Hüttenwirt, den viele Hüttenwanderer bereits von seiner langjährigen Tätigkeit auf der Simmshütte im Lechtal kennen. Markus hofft darauf, dass sportliche Hüttenbesucher beim Aufstieg vom Holzstoß der Hütte kurz oberhalb von Einödsbach ein Scheit in den Rucksack packen und herauftragen – wie es bereits zuvor gemacht wurde. Natürlich gibt’s dann auch was Hochprozentiges als Belohnung vom dankbaren Wirt. Nach einer kleinen Hütte, die einst auf dem Stuiben stand, ist das 1875 erbaute Waltenberger Haus die älteste Alpenvereinshütte in den Allgäuer Alpen.

Zwischenstation vom Aufstieg zur Mädelegabel

Waltenberger Haus Aufstieg

Der Auf- und Abstieg zur Hütte am Einödsbach ist alles andere als langweilig

Die Geschichte der Hütte ist eng mit der Besteigungsgeschichte der Mädelegabel verbunden. Dabei handelt es sich um einen prächtigen, in leichter Kraxelei (I) erreichbaren Aussichtsgipfel, den viele Allgäuer für den schönsten ihrer Gipfel halten, trotz der starken Konkurrenz durch die Trettachspitze, das »Allgäuer Matterhorn«. Schon vor dem Bau des Waltenberger Hauses war die Mädelegabel ein beliebtes Ziel für »Hochtouristen«.

Ab 1855 führte der erste offizielle Oberstdorfer Bergführer, Johann Baptist Schraudolph aus Einödsbach, die ersten Hochtouristen auf die Mädelegabel. Insgesamt 450-mal stand er mit Gästen oben, wobei im Abstieg biwakiert werden musste, was die Mitnahme von viel Gepäck erforderlich machte. Auf Initiative des Immen- städter Geometers und Bergsteigers Anton Waltenberger baute die dmalige Sektion Allgäu des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins 1875 schließlich das Waltenberger Haus, um die Besteigung der Mädelegabel angenehmer zu machen.

Bergführer Johann Baptist Schraudolph bewies, dass er auch ein cleverer Geschäftsmann war, und richtete im Eröffnungsjahr des Waltenberger Hauses für die »Hochtouristen« in seinem Haus in Einödsbach eine Gaststube ein: »Schraudolphs Clubhütte«. Aus dem damals einstöckigen Haus mit der kleinen Wirtschaft ist im Lauf der Jahre ein stattlicher Alpengasthof entstanden mit 40 Betten. Er wird von Marianne Bauer geführt, der Urenkelin von Johann Baptist Schraudolph.

Der Aufstieg zum Waltenberger Haus

Waltenberger Haus Aufstieg

Gemütliche Einkehr auf der Sonnenterrasse des Waltenberger Haus

Vom Parkplatz in Faistenoy (901 m) oder von der Bushaltestelle in Birgsau wandert man im Stillachtal taleinwärts bis zur Weggabelung hinter Birgsau. Dort folgt man dem linken Sträßchen durch den Wald hinauf nach Einödsbach (1114 m). Der Weiterweg beginnt direkt vor dem Gasthaus an der kleinen weiß getünchten Kapelle, die vor der malerischen Kulisse aus saftigen Bergwiesen, Trettachspitze, Mädelegabel und Hochfrottspitze steht.

Über die Bacheralpe – dort ist der Holzstoß der Hütte – gelangt man zum Ausgang des Hölltobels, der überquert wird, bevor man in den engen Tobel namens Bacher Loch gelangt. Im Frühsommer liegen hier oft noch Reste von Altschnee und Lawinen, sonst ist dies ein Feuchtgebiet, das jeden Botanikfan begeistern wird. Unter Steilgrasflanken und Schrofenhängen quert man schließlich den Katzentobel und steigt in steilen Kehren bergauf. Unterm Schneeloch folgt man dem Steig in einem Bogen nach links übers »Wändle«, eine kurze drahtseilversicherte Steilstufe. Über Grasflanken erreicht man die Hütte unter dem Berg der Guten Hoffnung, wie hier der Hausberg heißt.

Die Überschreitung des Bockkarkopfes

Waltenberger Haus Aufstieg

Der Bockkarkopf ist ein beliebtes Ziel vom Waltenberger Haus aus

Aufstieg vom Waltenberger Haus zur Bockkarscharte (2504 m) in langen Kehren, zuletzt über eine kurze, drahtseilversicherte Passage. Auf dem leichten Abschnitt des Heilbronner Wegs zur Kemptner Hütte geht’s weiter, zunächst zum Schwarzmilzferner.

Dieser schaut zwar aus wie ein ganz normales Altschneefeld, dabei handelt es sich jedoch um einen spaltenfreien Mini-Plateaugletscher und damit um den einzigen richtigen Gletscher der Allgäuer Alpen, wie der Geophysiker Christoph Mayer in einer Diplomarbeit am Innsbrucker Institut für Meteorologie und Geophysik nachgewiesen hat. Der Einstieg (I) befindet sich am Rand des Schwarzmilzferners unter dem Ostgrat. Den Markierungen folgend steigt man zur Ostschulter hinauf und turnt durch schönes Blockgelände zum Gipfel. Abstieg zur Hütte wie Aufstieg.

Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind erforderlich, wenn man ab Hütte die Bockkarkopf Überschreitung macht und damit den technisch schwierigen Teil des Heilbronner Wegs. Es handelt sich dabei um eine kurze, schöne Gipfelüberschreitung auf gesichertem Steig mit herrlichem Ausblick. Ideal ist diese Tour auch für konditionsstarke Kinder, allerdings nur mit zusätzlicher Sicherung durch die Eltern.

Übergänge vom Waltenberger Haus

Zur Rappenseehütte (2091 m) mit Überschreitung des Bockkarkopf oder direkt durch das Hintere Bockkar. Beide Routen erfordern Trittsicherheit und Schwindelfreiheit, mittel, ca. 5 Std. Zur Kemptner Hütte (1844 m), leicht, ca. 4 Std.: Aufstieg zur Bockkarscharte und auf dem technisch leichten Abschnitt des Heilbronner Wegs über den Schwarzmilzferner zum Mädelejoch und zur Hütte.

Wanderkarte Waltenberger Haus und Umgebung

Wanderkarte Waltenberger Haus

Wanderkarte Waltenberger Haus

Öffnungszeiten und Infos zum Waltenberger Haus

Talort/Ausgangspunkt Oberstdorf, Parkplatz an der Talstation der Fellhornbahn oder Bushaltestelle im Ortsteil Birgsau
Anfahrt Von Kempten Richtung Oberstdorf, direkt vor dem Ortseingang Abzweigung zur Fellhornbahn, gebührenpflichtiger Parkplatz an der Talstation im Ortsteil Faistenoy. Sehr gute Bahnverbindung von und nach Oberstdorf über Kempten aus Richtung Ulm/Stuttgart, aus Richtung Lindau/Immenstadt oder mit dem alex (stündlich) aus München. Per Bus (Busbahnhof neben Hbf) weiter über die Fellhornbahn nach Birgsau.
Gehzeit zur Hütte Etwa 3–4 Std. ab Parkplatz.
Anforderung Nur mäßig schwierig; im Frühsommer evtl. Leichtsteigeisen und Pickel erforderlich
Beste Jahreszeit Mitte Juli bis September
Karte Bayerisches Landesvermessungsamt München UK L8, Allgäuer Alpen, 1:50 000
Tourismusinformationen Kurverwaltung Oberstdorf, Tel. 08322/700–0, www.oberstdorf.de
Hüttensteckbrief Höhe: 2084 m, Erbauer: DAV-Sektion Allgäu-Immenstadt, 1875 Bewirtschaftet: Mitte Juni – Anfang Oktober Kapazität: 6 Betten, 65 Lager, offener Winterraum (8 Plätze, AV-Schloss) Kontakt: Tel. Hütte: 08322/70 01 56, Winter-Tel. (Gruppenanmeldung): 08379/74 86, Fax: 71 96, Quartierbestellung (ab 5 Pers.): Waltenberger Haus, Post Einödsbach, 87561 Oberstdorf
Wichtigste Touren Mädelegabel (2645 m), mittel (I), Aufstieg 560 Hm, ca. 3 Std.; Bockkarkopf-Überschreitung (2609 m), mittel, Aufstieg 550 m, ca. 4 Std.; Berg der Guten Hoffnung (Hausberg, nicht ausgewiesen), mittel (I), 2,5 Std.; Klettertouren an der Trettachspitze (2595 m) (II–IV)
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