Tannheimer Hütte – Touren im Tannheimer Tal

Die meisten Wanderer der Tannheimer Bergwelt beziehen in dem nahe gelegenen Gimpelhaus Quartier. Zu Unrecht, denn die Tannheimer Hütte ist zwar wesentlich kleiner als ihr bekannterer Nachbar, aber auch weitaus uriger und gemütlicher!

Tannheimer Hütten Touren

Das Gimpelhaus mit Blick auf das Tannheimer Tal

Eckdaten zur Tour auf die Tannheimer Hütte

1
Schwierigkeit
1,5 Std.
Gehzeit
↑ 580 Hm
Höhendifferenz

Zur Tannheimer Hütte – im Paradies für Kletterer

Die schöne Lage hoch über Nesselwängle, direkt unter dem Tannheimer Gipfeltrio von Roter Flüh, Gimpel und Köllenspitze, war wohl ausschlaggebend, dass der k.u.k. Notar Dr. Wilhelm Schweighofer hier bereits 1886 ein kleines privates Hüttlein gebaut hatte, das er dann aber kaum benutzte. Als die Bergfreunde der Alpenvereinssektion Kempten auf ihren Touren in die Tannheimer Berge dieses Kleinod entdeckten und erfuhren, dass es für 800 Mark zu haben war, wurde der Stützpunkt schnell erworben, für etwa den gleichen Betrag ausgebaut und 1893 als Tannheimer Hütte eröffnet. Schnell entwickelte sich die Hütte zum Ausgangspunkt für vor allem die südseitigen Klettereien am Tannheimer Hauptkamm sowie die Übergänge Richtung Füssener Jöchl und Nesselwängler Scharte.

Tannheimer Huette Touren

Die Tannheimer Hütte vor den felsigen Gipfeln von Flüh und Gimpel

Kleine Hüttengeschichte

1945 kam auch die Tannheimer Hütte unter österreichische Treuhand und hatte das Glück, in dieser Zeit vom guten Nachbarn Adalbert Guem, Eigentümer des nahe gelegenen privaten Gimpelhauses, verwaltet und betreut zu werden. 1956 an die Sektion zurückgegeben und gründlich renoviert, konnte das Haus 1958 wieder in Betrieb genommen werden. Eine neue Ära begann 1966, als der legendäre »Fischer Franze« aufzog, zuvor berühmter Hüttenwirt und Bergretter auf der Oberreintalhütte im Wetterstein (jetzt nach ihm »Franz-Fischer-Hütte« benannt). Elf Jahre lang betreute er die Tannheimer Hütte mit großer Leidenschaft. Die Hundertjahrfeier 1993 stand im Zeichen weiterer notwendig gewordener Sanierungsarbeiten für Abwasser, Trinkwasser und Stromversorgung, von denen Bergwanderer und Kletterer kaum etwas mitbekamen. Letztere schätzen nach wie vor die kurzen Zustiegszeiten zu den südseitigen Felsen von Hochwiesler, Roter Flüh und Gimpel sowie die gute Betreuung auf der Hütte.

Zustieg zur Tannheimer Hütte über das Gimpelhaus

Vom Parkplatz geht man zu den letzten Häusern von Nesselwängle. Dann folgt man dem Wegweiser zum bereits von unten sichtbaren großen Gimpelhaus. Zunächst steigt man auf einer Forststraße, schließlich links weg und in steilen Serpentinen durch Hochwald und Kahlschlagflächen zum privat betriebenen Gimpelhaus auf. Kurz dahinter zweigt rechts ein Weg ab, der vom Gimpelhaus in einer Viertel- stunde direkt zur Tannheimer Hütte führt.

Klettern an der Roten Flüh

Die imponierenden, scheinbar senkrechten Süd- und Westwände der Roten Flüh dominieren das östliche Tannheimer Tal zwischen Nesselwängle und Tannheim. Seit Jahrzehnten sind diese berühmten Kalkfluchten Spielwiese für Kletterer. Doch von Osten weist die Rote Flüh eine Schwachstelle auf, die es auch Bergwanderern erlaubt, ihren Gipfel zu besteigen. Von der Tannheimer Hütte folgt man dem beschilderten Steig ins Gimpelkar. Bei der Verzweigung den unteren – vor Steinschlag sicheren – Weg einschlagend, gelangt man unterhalb der Gimpel-Südabstürze hinauf zur Judenscharte zwischen Gimpel und Roter Flüh. Nun zieht der Steig nach links – ein kurzes Stück ist mit Drahtseil gesichert – und über einige in den glatten, abgetretenen Fels geschlagene Tritte, dann wieder in leichterem Gelände hinauf zur grasigen Gipfelfläche. Von hier oben ist der Tiefblick auf den Haldensee ebenso faszinierend wie das Beobachten der Kletterer, die sich etwa am Westgrat des Gimpels in der Schlüsselstelle »Nur Mut, Johann« zu schaffen machen.

Klettersteig an der Köllenspitze

Wer als geübter Klettersteiggeher hoch hinaus will und seine Freude hat an der senkrechten Herausforderung einer sportlichanspruchsvollen Via ferrata, der kann sich beim Tourismusverband Tannheimer Tal und der Alpenvereinssektion Allgäu-Kempten bedanken. Beide Organisationen haben in den letzten Jahren den höchsten Gipfel der Tannheimer Berge, die Köllenspitze (auch Kellespitze), mit einem ebenso attraktiven wie alpinen Klettersteig erschlossen.

Tannheimer Hütten Touren

Blick von der Roten Flüh aufs Tannheimer Tal und den Haldensee

Die neue Route führt durch die Südwand, die von der Tannheimer Hütte oder dem Gimpelhaus unproblematisch zu erreichen ist.

Es folgen auf einer Länge von 1100 Meter (mit 350 Höhenmeter Differenz) viele senkrechte und teilweise überhängende Passagen, die einiges an Kraft, Ausdauer, Trittsicherheit und Klettersteigerfahrung erfordern – immerhin ist der Klettersteig mit C/D bewertet und damit absolut nichts für Neulinge.

Nach etwa zweieinhalb Stunden ist der Gipfel mit seinem 360°-Rundblick erreicht – und die Tour noch lange nicht zu Ende. Jetzt wartet der etwas heikle Abstieg über den ebenfalls anspruchsvollen Normalweg, der im oberen Bereich durch steinschlaggefährdetes Gelände führt. Der Helm bleibt also auf dem Kopf, zumal auch hier einige Stellen Kletterfertigkeiten im II. Schwierigkeitsgrad erfordern.

Ein weiteres lohnendes und – dank ihrer etwas abseitigen Lage – vergleichsweise wenig besuchtes Gipfelziel stellt der östlichste Tannheimer Gipfel, die Gehrenspitze (2164 m), dar, die den Talboden über Reutte dominiert. Sie ist über das Sabajoch und Gehrenjoch ab der Tannheimer Hütte in etwa zweieinhalb Stunden zu ersteigen und verlangt am Gipfelaufbau leichtes Klettern in Ier-Gelände

Übergänge von der Tannheimer Hütte

Über die Nesselwängler Scharte zur Otto-Mayr-Hütte in zweieinhalb bis drei Stunden; über Judenscharte, Rote Flüh und Gelbe Scharte zur selben Hütte in drei bis dreieinhalb Stunden, über Judenscharte, Rote Flüh, Schartschrofen, Reintaler Joch, Füssener Jöchl und Tannheimer Höhenweg zur Bad Kissinger Hütte in fünf bis sechs Stunden.

Wanderkarte Tannheimer Hütte und Umgebung

Wanderkarte Tannheimer Huette

Wanderkarte Tannheimer Huette

Öffnungszeiten und Infos zur Tannheimer Hütte

Talort/Ausgangspunkt Nesselwängle (1136 m)
Anfahrt Über Pfronten nach Grän und Nesselwängle oder über Reutte und das Lechtal sowie den Gaichtpass nach Nesselwängle, Bahnverbindung Pfronten/Ried, Reutte/Tirol, Busverbindung nach Nesselwängle.
Gehzeit zur Hütte 1 1/2 Std
Anforderung Leicht, guter Bergwanderweg
Beste Jahreszeit Mai bis Oktober
Karte Bayerisches Landesvermessungsamt UK L10, Füssen und Umgebung 1:50 000
Tourismusinformationen Tourismusverband Tannheimer Tal, Oberhöfen 110, A-6675 Tannheim, Tel. +43/(0)5675/622 00, Fax: 62 20 60, E-Mail: info@tannheimertal.com, www.tannheimertal.com
Hüttensteckbrief Höhe: 1713 m, Erbauer: DAV-Sektion Allgäu-Kempten, 1886 Bewirtschaftet: Mitte Mai bis Oktober, um Reservierung wird gebeten Kapazität: 18 Lager, 10 Notlager Kontakt: Mobil: +43/(0)676/545 17 00, E-Mail: service@alpenverein-kempten.de
Wichtigste Touren Rote Flüh (2111 m), 400 Hm, Aufstieg 1,5 Std., Abstieg 1 Std., mittel (I), zahlreiche Kletterrouten in der Südwand (IV–VIII); Gehrenspitze (2164 m), 459 Hm, Aufstieg 2–2,5 Std., Abstieg 1,5 Std., mittel (I); Köllenspitze (2238 m), 525 Hm, Aufstieg 2 Std. 15 Min., Abstieg 1,5 Std., schwierig (II); Gimpel (2173 m), zahlreiche Kletterrouten (III–VIII), kurze Zustiege
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