Prinz Luitpold Haus und Hochvogel

Die Besteigung des Hochvogel gehört zu den beeindruckendsten und daher auch beliebtesten Touren in den Allgäuer Alpen.

Zum herrlich gelegenen Schrecksee gelangt man auf dem Übergang vom Prinz- Luitpold-Haus zur Willersalpe.

Eckdaten zur Tour zum Prinz Luitpold Haus

1
Schwierigkeit
2-3 Std.
Gehzeit
↑ 780 Hm
Höhendifferenz

Abwechslungsreicher Aufstieg

Beim Aufstieg zum Hochvogel windet sich der Weg in steilen Kehren hinauf zur Balkenscharte.

Der Aufstieg bietet zudem eine sehr abwechslungsreiche Route mit markanten Passübergängen, Querungen von Geröllwüsten, Aufstieg über ein Schneefeld mitten im Hochsommer und immer wieder Fern- und Ausblicke, die das Herz eines Bergfans kräftiger pochen lassen. Entsprechend viele Hochvogel-Aspiranten steigen tags zuvor zum Prinz-Luitpold- Haus auf. Da sich das Feld der Gipfelstürmer beim Anstieg rasch weit auseinander zieht, ist das meist kein Problem und man kann die Tour richtig genießen, zumal der lang gestreckte Gipfelkopf viel Platz bietet. Den höchsten Punkt wird man bei schönem Wetter aber auch werktags mit anderen teilen müssen – und die Hütte ist ebenso gut besucht. Es ist ja nicht nur der Hochvogel, der diese Hütte so attraktiv macht – auch bei einem längeren Aufenthalt wird einem hier nicht langweilig!

Beliebter Stützpunkt

Diese Hütte die einzige weit und breit für viele herrliche Touren: Gleich mehrere attraktive Gipfel locken den alpinen Wanderer, es gibt landschaftlich und botanisch sehr reizvolle Übergänge, ferner ist die Hütte Etappenziel auf einer Route der Via Alpina und ein beliebter Stützpunkt für Kletterkurse von Bergschulen und Alpenvereinssektionen, denen an den mit Bohrhaken abgesicherten Routen in den Klettergärten oder Felswänden ein ideales Klettergebiet mit Touren von leicht bis extrem zur Verfügung steht. Wer kann, der sollte also bei seiner Terminplanung berücksichtigen, dass er nicht gerade an einem schönen Wochenende in den Sommer- und Herbstferien im Prinz-Luitpold-Haus übernachtet – das gilt übrigens auch für die anderen Hütten der Allgäuer Hochalpen.

Zustieg

Vom Giebelhaus folgt man dem asphaltierten Sträßchen taleinwärts – zunächst am besten auf dem Weg auf der rechten Seite des Baches. Dieser führt dann über eine Brücke auf die linke Talseite und trifft dort auf das Sträßchen vom Giebelhaus. Dem bestens markierten Steig folgend auf dem kurzen Zustieg zur Hütte in Kehren durch die Matten des Unteren und Oberen Bärgündele hinauf zur Hütte (1846m). Ein längerer Zustieg führt talaufwärts an der 2000 Jahre alten Eibe (Naturdenkmal) vorbei zur Pointhütte und weiter zur Weggabelung unter der unbewirtschafteten Schönberghütte. Dort zieht der Weg schräg links aufwärts, überquert den Stierbach und führt über eine überraschend vegetations – reiche Terrasse hinauf zur Hütte.

Das Prinz-Luitpold- Haus ist nicht nur für Wanderer, sondern auch für Kletterer ein attraktiver Stützpunkt.

Wiedemerkopf (2163m)

Wer noch nicht ganz ausgelastet ist, kann noch den schön gefältelten Wiedemerkopf besteigen. Der Aufstieg beginnt am Weg Richtung Schönberg – alpe. An einer Wegverzweigung vorn an der Nordwestkante des Wiedemerkopfs geht’s links hoch zum Einstieg. Die teils drahtseil – gesicherte Route führt in leichter Kraxelei (I) in brüchigem Fels hinauf. Aufstieg in eineinhalb Stunden, für den Abstieg sollte man eine Dreiviertelstunde einplanen.

Hochvogel (2592m) und Kreuzspitze (2367m)

Auf dem Gipfel des Hochvogel (2592 m)

Vom Prinz-Luitpold-Haus auf markiertem Steig zunächst in südöstlicher Richtung durch das weite Kar auf eine erste Felsstufe mit Wegweiser und Bächlein. Dem Wegweiser »Hochvogel« folgend, quert man zum steilen Hang unter der Balkenscharte (2157m) und erreicht diese in steilen Kehren. Nach rechts führt der Weg zu einem kleinen Felssteig am Ausläufer der Keuzspitz-Nordflanke, und nach einer kurzen Felspassage (I) am Sättele quert man über Schutthalden zum steilen, berüchtigten Altschneefeld des Kalten Winkels, über das man die Kaltwinkel – scharte (2283m) erreicht. Meist hängt dort ein Fixseil mit Knoten, an dem man sich über das etwa 30 Grad steile Altschneefeld hochhangeln kann, das morgens oft noch vereist ist.

In der Kaltwinkelscharte – rechts beginnt der Aufstieg zur Kreuzspitze – folgt man dem Pfad nach links über einige Platten und eine brüchige Felsstufe zur »Schnur«, einem horizontal verlaufenden Band, auf dem man die Westschulter des Hochvogels rechts umgeht. Danach folgt man den Markierungen in der Westflanke von einem brüchigen Band zum nächsten (max. I), bis man über einen Blockgrat nach rechts hinaufqueren kann zum Gipfel (2592m). Der Blick vom Gipfel reicht bei guter Sicht bis zum Karwendel, den Zillertaler, Stubaier und Ötztaler Alpen, zu Ortler, Tödi, den Urner und den Berner Alpen. Im Süden liegen die Gipfel der Hornbachkette vom Krottenkopf bis zur Klimmspitze, dahinter die Lechtaler Gipfel.

Hermann von Barth

Der wagemutige Erschließer der Allgäuer Alpen hat einst auf dem Gipfel biwakiert und hatte nichts von dem, was unsereins heutzutage bei einem geplanten Biwak dabeihat. Es war kalt, aber das schien ihn nicht besonders zu stören:
»Die Helle des Mondes begann sich geltend zu machen und warf durch Lücken des Gewölks hier und dort ihre grellen Lichter auf die Felsenriesen. Die zunehmende Kälte aber trieb mich bald in meinen Schlupfwinkel zurück; ich streckte mich, so gut es gehen wollte, über den holprigen Boden, richtete den Bergsack zurecht, legte mich aufs Ohr und sagte dem Hochvogel gute Nacht.«

Die meisten Gipfelstürmer ziehen dem eine Übernachtung in der Hütte vor und steigen hinab zur Kaltwinkelscharte. Von dort erfolgt ein kurzer Gegenanstieg über die drahtseilversicherte Flanke der Kreuzspitze bis zum markierten Beginn des ebenso abgesicherten Kreuzspitz-Abstiegs Richtung Prinz-Luitpold- Haus.
Ab hier auf unmarkiertem Steig einigen Steigspuren folgend in leichtem Gelände, zuletzt rechts haltend, hinauf zum Gipfel der Kreuzspitze (2367m) mit schönem Blick auf Hochvogel, Wiedemerkopf und zum Prinz-Luitpold- Haus. Abstieg zum Beginn des Steigs, der zunächst einfach und sanft die Flanke quert, in einer langen Verschneidung hinab zu den Platten am Wandfuß aber steil und ausgesetzt wird. Durch ein Geröllkar gelangt man hinab zum bereits bekannten Weg unterhalb der Balkenscharte, auf dem man die Hütte erreicht.

Übergänge vom Hochvogel

Für alle Übergänge gilt: bei Nässe heikel, Trittsicherheit erforderlich. Zur Willersalpe (1459m) führt der Weg über den Schrecksee und den Jubiläumsweg, leicht/mittel und schön, mit sieben bis acht Stunden reiner Gehzeit eine lange Etappe der Allgäu-Durchquerung, die durch eine Übernachtung auf der Landsberger Hütte (siehe Hütte 30) verkürzt werden kann. Zur Landsberger Hütte (1805m) auf leichtem Weg in vier bis fünf Stunden.

Weitere Routen

Der Weg zweigt nach dem Schrecksee von der Route zur Willersalpe ab. Zum Edmund-Probst-Haus (1927m) am Nebelhorn übers Laufbacher Eck und den gleichnamigen Höhenweg. Wunderschöne Route, mittel, bei Nässe heikel, etwa vier bis fünf Stunden. Zur Kemptner Hütte (1846m), leichte, lange, sehr beeindruckende Route übers Himmeleck und Rauheck, acht bis zehn Stunden, bei Gewitter gefährlich. Zum Oytalhaus (1010m) übers Himmeleck, in einem langen Abstieg, leicht, fünf bis sechs Stunden.

Wanderkarte zum Prinz-Luitpold-Haus

Infos zur Wanderung Prinz Luitpold Haus und Hochvogel

Talort/Ausgangspunkt Hinterstein, Gemeinde Hindelang, Giebelhaus
Anfahrt Über Hindelang/Oberstdorf nach Hinterstein (großer Parkplatz), mit dem Bus weiter zum Giebelhaus (1068m). Bahnverbindung nach Sonthofen, von dort per Bus über Hindelang nach Hinterstein. Weiter mit dem Bus zum Giebelhaus. Infos zum Busverkehr Hinterstein–Giebelhaus: Tel. 08324/932 30 www.wechs.net/html/busverkehr.html
Gehzeit zur Hütte 2–3 Std.
Anforderung Leicht; in der breiten Rinne kurz vor der Hütte nicht rasten: Steinschlaggefahr!
Beste Jahreszeit Juni bis September
Karte Bayerisches Landesvermessungsamt München UK L8, Allgäuer Alpen, 1:50 000
Tourismusinformationen Gästeinformation Hinterstein/Hindelang, Tel. 08324/892–0, www.hindelang.net
Hüttensteckbrief Höhe: 1846m Erbauer: DAV-Sektion Allgäu-Immenstadt, 1881 Bewirtschaftet: Mitte Mai bis Mitte Oktober Kapazität: 20 Betten, 260 Lager, offener Winterraum (16 Plätze) Kontakt: post@prinz-luitpoldhaus. de, www.prinz-luitpoldhaus.de Infos zum Busverkehr Hinterstein–Giebelhaus, www.wechs.net/html/busverkehr
Wichtigste Touren Hochvogel (2592m), mittel, Aufstieg 750 Hm, ca. 3 Std.; Wiedemerkopf (2163m), leicht, Aufstieg 320 Hm, 1 Std.; Klettergebiet: Fuchskarspitze (2314m), I –VIII, Klettergarten in Hüttennähe; Jubiläumsweg zur Willersalpe (Etappe der Allgäu-Durchquerung, siehe Übergänge)
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