Mindelheimer Hütte – Wandern über dem Rappenalptal

Als “Hütte der Zukunft” wird die Mindelheimer Hütte gern bezeichnet. Denn nicht nur die exponierte Lage hoch über dem Rappenalptal zeichnet sie aus, die Mindelheimer Hütte ist auch ein Vorzeigemodell in Sachen umweltfreundlicher Bewirtschaftung.

Mindelheimer Hütte - Wandern von Hütte zu Hütte

Die Mindelheimer Hütte liegt in schöner Lage über dem Rappenalptal

Eckdaten zur Tour Oberstdorf – Mindelheimer Hütte

2
Schwierigkeit
4 Std.
Gehzeit
↑ 1057 Hm
Höhendifferenz

Gemütliche Hütte in bester Lage

Öko-Logo überm Rappenalptal. Wird die Mindelheimer Hütte (2013 m) erwähnt, geraten viele Bergfans ins Schwärmen. Kein Wunder, denn die Lage dieser gemütlichen Hütte mit Blick auf den gesamten Allgäuer Hauptkamm ist wegen des Superweitwinkel-Panoramablickes von der Trettachspitze über die Zacken des Heilbronner Wegs bis zum Hohen Licht und Biberkopf nahezu unschlagbar. Dann liegt sie auch noch am Mindelheimer Klettersteig, am Krumbacher Höhenweg, an zwei bedeutenden Übergängen ins Kleinwalsertal sowie als Etappenziel direkt an der beliebten Durchquerung der Allgäuer Alpen und an der Via Alpina, die in 161 Etappen zwischen Triest und Monaco durch acht Alpenländer führt und mehrmals den Hauptkamm überquert. Hinzu kommen noch einige leicht erreichbare, attraktive Gipfelziele rund um die Hütte und über 40 mit Bohrhaken abgesicherte Kletterrouten im überraschend festen Fels der Angerkopf-Südwand, die nur knapp 20 Minuten von der Hütte entfernt liegt. Bergfan, was willst du mehr?

Die umweltfreundliche Alpenvereinshütte

Prämiertes Vorzeigemodell Viele schwärmen aber noch aus einem ganz anderen Grund: Jochen Krupinski, der die Hütte seit 1978 mit Kompetenz, Engagement und Humor bewirtschaftet, hat die Hütte der Sektion Mindelheim nämlich im Laufe vieler Jahre zu einem mehrfach prämierten Vorzeigemodell unter den Alpenvereinshütten ausgebaut. Dem cleveren Tüftler – Maschinenbauingenieur von Beruf – gelang es, eine für diese Höhenlage bisher einzigartige Kombination von Solarenergie, Pflanzenöl- Blockheizkraftwerk und Regenwassernutzung zu entwickeln für die umweltfreundliche Versorgung der Hütte mit Wasser und Strom sowie für die Klärung und Entsorgung der Abwässer.

Die Mindelheimer Hütte

So ist die Mindelheimer Hütte genau so, wie man sich eine Hütte der Zukunft wünscht: ein umweltfreundliches Schmuckstück, das nach wie vor den Charme und das rustikalgemütliche Ambiente einer Hütte verströmt, und dies in attraktiver, aber nicht ganz leicht erreichbarer Lage. Krupinskis Hütte nimmt an der Aktion »So schmecken die Berge« des DAV teil. Es gibt gute, herzhafte Kost, neben Rindsrouladen oder Sauerbraten zählen auch der täglich frisch gebackene Kuchen oder Apfelstrudel zu den Spezialitäten des Hauses. Selbstverständlich kommen auch Vegetarier nicht zu kurz. Die meisten der hochwertigen Erzeugnisse für die Küche, wie Fleisch, Brot und Milchprodukte, stammen direkt aus der Region.

Auf dem Panoramaweg von Oberstdorf nach Schröcken

Der schönste Zustieg zur Hütte– von Birgsau über den Guggensee – ist zugleich einer der schönsten Panoramawege der Allgäuer Alpen überhaupt und Teil der Etappe der Via Alpina von Oberstdorf nach Schröcken. Umso erstaunlicher ist es, dass der Panoramaweg über den Guggensee erst seit dem Sommer 2005 wieder gut begehbar ist, nachdem Hüttenchef Krupinski samt Helfern den Weg für viel Geld saniert hatten.

Die Allgäuer Alpen sind auch Refugium für Gämsen und Steinwild

Zustieg von Birgsau

Aussichtsreicher Hüttenzustieg Man stellt sein Auto auf dem Parkplatz bei der Fellhornbahn-Talstation ab (gebührenpflichtig) und wandert parallel zur Straße auf einem breiten Wanderweg etwa zwei Kilometer taleinwärts nach Birgsau, das man durch das hervorragende öffentliche Verkehrsnetz auch gut per Bus ab dem Hauptbahnhof in Oberstdorf erreicht. Beim Hotel Birgsauer Hof zweigt ein asphaltiertes Sträßchen vom Wanderweg nach rechts ab zur Talstraße, auf der man etwa 100 Meter talauswärts zurückgehen muss, bis der markierte und beschilderte Panorama Wanderweg beginnt.

Nach Überquerung der Stillach zieht der Weg zunächst durch ein lichtes Wäldchen zu einem Anwesen auf einer großen Lichtung und wird danach immer steiler, wobei man schließlich einen markanten Felsriegel bewältigt. Kurz vor einer Jagdhütte biegt der Weg ab in südlicher Richtung zum Scheidbühel (1511 m). Hier genießt man einen wunderbaren Blick auf die Gipfel des Hauptkamms, vor allem aber auf die Trettachspitze, die jenseits des Tales steil in den Himmel ragt. Der Weg führt in angenehmer Steigung und bei bestem Ausblick weiter zum Guggensee, einem idyllischen Fleckchen inmitten saftiger Wiesen. Danach steigt der Weg wieder etwas steiler an, bis man schließlich die Hütte erreicht.

Steinböcke beobachten auf dem Walser Geißhorn

Walser Geißhorn, 2366 m Von der Hütte folgt man dem beschilderten Weg, der in westlicher Richtung unter dem Anger- und Liechelkopf entlangführt zum Geißhornjoch, einem Übergang ins Gemstel- und Kleinwalsertal. Am Fuß des Geißhorn-Südkammes zweigt der Aufstieg zum Gipfel vom Wander- weg ab. Über den botanisch sehr interessanten Kamm gelangt man problemlos zum Gipfelkreuz. Auf dieser Wanderung ist die Wahrscheinlichkeit groß, unterwegs Steinböcke zu sehen. Gehzeit ab Hütte ca. zwei Stunden, Rückweg zur Hütte wie Aufstieg. Oder vom Joch Abstieg durchs Gemsteltal nach Bödmen im Kleinwalsertal.

Übergänge von der Mindelheimer Hütte

Übergänge zur Fiderepasshütte geht es von der Mindelheimer Hütte über den Krumbacher Höhenweg und die Fiderescharte zur Hütte (leicht, bei Nässe oder Altschnee heikel, Trittsicherheit erforderlich, etwa drei Stunden). Zur Widdersteinhütte (2009 m) am Fuße des Widdersteins wandert man übers Koblat und den Gemstelpass (leicht, drei bis vier Stunden, bei Nebel teils schwierige Orientierung).

Die Gipfelbesteigung

Mindelheimer Hütte - Wandern von Hütte zu Hütte

Wanderkarte Mindelheimer Hütte und Umgebung

Die Gipfelbesteigung des Widdersteins erfordert Trittsicherheit und Schwindelfreiheit, einige befestigte Passagen (I), Vorsicht vor Steinschlag; Auf- und Abstieg ca. drei Stunden. Die Wanderung zur Rappenseehütte (drittes Etappenziel der Allgäu-Durchquerung) gilt als landschaftlich schöner und beliebter Hüttenübergang, der als Tagesetappe zur großen Durchquerung der Allgäuer Alpen zählt.

Von der Mindelheimer Hütte ca. 500 Höhenmeter zum Haldenwanger Bach absteigen. Dann hinauf zum Schrofenpass, im Bogen um den Grüner herum und übers Schänzle zur Oberen Biberalp.

Weiter durch den Mutzentobel (Vorsicht bei Nässe und Altschnee), dann durch die botanisch interessanten Westhänge des Rappenköpfles zur Schafalp und weiter Richtung Musskopf, bis man auf den ausgetretenen Weg trifft, der von der Enzianhütte heraufführt. In Serpentinen hinauf zur Rappenseehütte (2091 m), leicht, viereinhalb bis fünf Stunden.

Öffnungszeiten und Infos zur Mindelheimer Hütte

Talort/Ausgangspunkt Oberstdorf, Parkplatz an der Talstation der Fellhornbahn oder Bushaltestelle im Ortsteil Birgsau (949 m)
Anfahrt Von Kempten Richtung Oberstdorf, direkt vor dem Ortseingang Abzweigung zur Fellhornbahn, gebührenpflichtiger Parkplatz an der Talstation im Ortsteil Faistenoy. Sehr gute Bahnverbindung von und nach Oberstdorf über Kempten aus Richtung Ulm/Stuttgart oder Lindau-Immenstadt oder mit dem Alex (stündlich) aus München. Per Bus (Busbahnhof neben Hbf) weiter über die Fellhornbahn nach Birgsau.
Gehzeit zur Hütte Aufstieg ab Birgsau ca. 4 Std.
Anforderung Seit der Sanierung 2005 gut begehbarer, sehr abwechslungsreicher Wanderweg, ab Birgsau zunächst recht steil; bei Nässe Trittsicherheit erforderlich
Beste Jahreszeit Mitte Juni bis September
Karte Bayerisches Landesvermessungsamt München UK L8, Allgäuer Alpen, 1:50 000
Tourismusinformationen Kurverwaltung Oberstdorf, Tel. 08322/700–0, www.oberstdorf.de
Hüttensteckbrief Höhe: 2013 m Erbauer: DAV-Sektion Mindelheim, 1920 Bewirtschaftet: Anfang Juni bis Mitte Oktober Kapazität: Lager: 140 Plätze, offener Winterraum: 20 Plätze (AV-Schloss) Kontakt: Bandansage des Hüttenwirts: 08322/70 01 53, Fax Tal: 08378/72 38, Fax Hütte: 0171/670 66 73
Wichtigste Touren Walser Geißhorn (2366 m) Aufstieg 310 Hm, 1 1/2–2 Std., leicht; Kemptner Köpfel (2191 m) Aufstieg 180 Hm, ca. 30 Min., leicht; Mindelheimer Klettersteig: 3–4 Std., nur für Geübte mit Ausrüstung; Klettergebiet Angerkopf-Südwand, über 40 Routen, Bohrhaken, kleiner Führer existiert.
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  • Die Autoren

    Gaby Funk und Georg Hohenester

    Georg Hohenester und Gaby Funk

  • Autorenbiographien

    Gaby Funk, Jahrgang 1957, hat Germanistik, Romanistik und Journalismus studiert, jobbte zwei Jahre in Chamonix und war Tourguide in Alaska. Seit über 35 Jahren ist Sie begeisterte Allround-Bergsteigerin und Outdoor-Fan. Sie lebt im Allgäu - im seenreichen Oy-Mittelber, ideal gelegen zwischen den Allgäuer und Lechtaler Alpen.

    Georg Hohenester ist 1961 in Traunstein/Oberbayern geboren und am Bodensee aufgewachsen. Seit dem Philologie-Studium wohnhaft in München. Er arbeitete als Verlagslektor, bevor ihn die Begeisterung für Bergwelt und Alpinismus zum Deutschen Alpenverein führte. Wenn die Tätigkeit als Redaktionsleiter genügend Zeit lässt, ist er in den Alpen unterwegs.

  • Autorenzitat

    Die Allgäuer und Lechtaler Bergwelt zählt zu den attraktivsten Regionen der Alpen. Ihre Vielfalt zwischen weiten Alpen, steilen Grasbergen und wilden Felsgipfeln entdeckt man am besten auf einer Tour zu einer der 35 vorgestellten Hütten.
    Ob groß oder klein, gut besucht oder weniger bekannt: Alle Stützpunkte haben ihren individuellen Charakter mit Wohlfühlatmosphäre bewahrt und blicken auf eine interessante Geschichte zurück. Nach einem leichten oder mittelschweren Zustieg bieten sie Gipfelmöglichkeiten, wie sie sich Einsteiger und erfahrene Bergwanderer wünschen.

  • Unser Buch zum Blog

    Hüttenwandern Allgäuer und Lechtaler Alpen
    Hüttenwandern Allgäuer und Lechtaler Alpen
    Die schönsten Hüttentouren vom Allgäu bis ins Lechtal.
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